Emilian Runné(*) arbeitet seit fünfzehn Jahren im Saarland. Wohnhaft ist der Franzose in Freyming-Merlebach (Arrondissement Forbach, Lothringen / Lorraine). Zu seiner deutschen Arbeitsstelle sind es nur 20 km und seit Schengen, wird die Grenze Deutschland - Frankreich ohne Verzögerung passiert.
Als sehr versierter Werkzeugmacher ist Herr Runné, dessen Familie ursprünglich aus der Stadt Chartres (Präfekturhauptstadt des Départements Eure-et-Loir ca. 90 km südwestlich Paris) stammt, ein sehr angesehener Kollege im Metall verarbeitenden Betrieb im Gewerbegebiet Im Rotfeld Saarbrücken.
Das Unternehmen mit seinen 80 Beschäftigten ist nicht nur in der Eurozone Saarbrücken-Forbach tätig, sondern auch bis weit in das deutsche Bundesgebiet zum Beispiel nach
sowie in den französischen Raum nach
- Metz, Strasbourg, Nancy, Sarrebourg, Reims, Dijon, Troyes, Saint-Quentin oder Lille
Emilian R. pflegt einen sehr ausschweifenden Lebensstil. Wie seine Kolleginnen und Kollegen wissen, hat er in den zurückliegenden Jahren immer wieder hohe private Schulden angehäuft. Dabei hat sich R. den etwas zweifelhaften Ruf des stets ausgebrannten Singles, der mit Geld einfach nicht umzugehen vermag, erworben.
Zu seinen Vorlieben zählen Autos aus München. Immer muß es das neueste Coupé Modell der Dreierreihe aus dem "État libre de Bavière" sein. Außerdem unterhält Emilian permanent wechselnde Frauenbekanntschaften. Ob es nun Mädels aus Deutschland sind oder Schönheiten aus seiner französischen Heimat, E. Runné tut alles für das plaire aux femmes, wie er immer salopp betont:
- „Das ebend meine Mentalität! Was soll ich machen? Eh bien, c'est comme ça!“.
Geld spielt scheinbar keine Rolle für ihn.
Manches Mal wurde schon gescherzt, dass er sich eine eigene Gelddruckmaschine gebaut hat. Das handwerkliche Geschick dafür hätte Emilian Runné ganz sicher.
Die Krise hat auch vor dem Unternehmen seines Arbeitgebers nicht halt gemacht. Kurzarbeit war im Gespräch, wurde jedoch glücklicherweise noch abgewendet, als der Großauftrag des Automobilproduzenten, mit Zweigwerk in »Saarlouis, hereinkam. Dank der Abwrackprämie konnte die Produktion der Fahrzeuge aus dem Saarland entsprechend hoch gefahren werden.
Für Sonderschichten oder gar Wochenendarbeit reichte die Auftragslage aber im Jahre 2009 nicht aus. Somit bleibt der Betrieb im Saarbrücker Gewerbegebiet Im Rotfeld samstags und sonntags geschlossen.
Die Größe der Produktionseinrichtung rechtfertigt nach Ansicht der Geschäftsleitung des Unternehmens einen Werkschutz nicht. Aus Kostengründen ist auch der Objektschutz durch eine seinerzeit beauftragte Wach- und Schließgesellschaft im Saarland, vor einigen Jahren weg rationalisiert worden.
Freitags, in der Regel gegen 18:00 Uhr, wird die Fertigungshalle und der Bürotrakt, nebst dem Zufahrtstor zum Betriebsareal, von einem leitenden Mitarbeiter verschlossen. Zudem macht er beim Verlassen, mit einem eigens dafür vorgesehenen Schlüssel, die Alarmanlage von Außen, am Zugang zum Gebäudekomplex, scharf.
Das hat immer so funktioniert. Noch nie gab es Einbrüche oder wurde registriert, dass unberechtigte Personen versucht haben, auf das Betriebsgelände zu gelangen.
Drittes Quartal 2009, die Energieverbräuche des metallverarbeitender Betrieb im Saarland sind im Vergleich zum Vorjahr nicht, wie bei der Auftragslage zu vermuten gewesen wäre, gesunken, obwohl auch Energiesparlampen nachgerüstet wurden, sondern liegen ganz und gar noch darüber.
Im Verlauf einer Gesellschafterversammlung auf das Thema angesprochen, stellt der Produktionsleiter Andreas Lebach(*) fest
- „Wir haben offensichtlich einen Energiefresser im Betrieb, den wir noch nicht lokalisieren konnten. Da herrscht Nachholbedarf!“.
dass eindeutig die Stromzähler in der Produktionshalle der CNC-Fräsmaschinen und CNC-Drehmaschinen den Mehrverbrauch an Elektroenergie anzeigen. Das dürfte theoretisch nicht sein. Laut den Auftragsbüchern ist an Facharbeiterstunden im Bereich Zerspanung kein Anstieg gegenüber den Vorjahreszahlen buchhalterisch registriert.Weitere zwei Wochen vergehen, in denen zwar, auch in Gesprächen und Befragungen der Belegschaft, keine Erklärung für das Phänomen erarbeitet wurde, aber dennoch weiter der Stromverbrauch sich nicht mit den Laufzeiten der Maschinen in Verbindungen bringen lässt.
Wieder tagt die Geschäftsleitung mit der Technologieabteilung und den Produktionsleitern.
Ein Meister schlägt vor:
- „Wir sollten hier mal einen Kommissar oder so `was ermitteln lassen. Eventuell zwackt jemand von außerhalb Strom ab, bei den stetig wachsenden Preisen!“.
- „Gar nicht so abwegig, wie es klingt!“. Der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens greift die Idee auf. „Die KriPo Saarland wird sich wohl noch nicht mit unserem Problem befassen, aber eine Detektei könnte sehr wohl für Aufklärung sorgen!“.

- „Wir haben ein betriebsinternes Problem, zu dessen Aufklärung professionelle Hilfe benötigt wird!“.
In Neunkirchen werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma Detektiv Tudor in die Fall-Materie eingewiesen. Weil während der offiziellen Arbeitszeiten im Unternehmen, seitens der leitenden Mitarbeiter, eine relativ lückenlose Überwachung der betrieblichen Abläufe gegeben ist, schlägt Detektiv Tudor vor, nach Dienstende, wenn alle Beschäftigten das Areal zum Feierabend verlassen haben, die Produktionsstätte von Innen und Außen zu beobachten.
Die »Beobachtung wird sich über mehrere Tage erstrecken und sollte bis zum Beginn des Eintreffens der Mitarbeiter am Morgen abgedeckt werden.
Freitag, 16:00 Uhr
Seit einer Stunde haben sich die Detektive aus Frankfurt am Main verdeckt am Sitz der Auftraggeberfirma in »Saarbrücken postiert.
Ziel des heutigen Tages ist es, zu beobachten, ob wie vermutet, Fremdpersonen oder Personal des metallverarbeitenden Betriebes im Gewerbegebiet Im Rotfeld, das Zielobjekt nach den offiziellen Betriebs- und Arbeitszeiten betreten.
Feierabend
Die Arbeiterschaft verlässt die Gewerberäumlichkeiten in Saarbrücken. Mitarbeiter der Geschäftsleitung und der Konstruktionsabteilung sowie Buchhaltung befinden sich noch im Zielobjekt bzw. auf dem Areal.
Alle von Auftraggeber für den Arbeitstag gemeldeten Produktionsarbeiter haben, laut der Zählung der Detektivsachbearbeiter, nach zehn Minuten das Objekt verlassen. In der Fertigungshalle ist das Hauptlicht erloschen. Lediglich eine vorgeschriebene Notbeleuchtung ist eingeschaltet. Personen werden aus der Beobachtungsposition der Detektive im relevanten Abschnitt nicht festgestellt.
Kurz nach 18:00 Uhr verlassen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsleitung und Verwaltung das Firmenareal. Bis zu diesem Zeitpunkt hat keiner der Produktionskräfte das Gelände wieder betreten. Wenig später geht an die Zentrale der Detektei TUDOR in Frankfurt am Main der Anruf des Auftraggebers ein, dass der Betrieb nun theoretisch geräumt sein sollte, denn er persönlich habe als letzter alle Räumlichkeiten verschlossen und die Alarmanlage scharf gemacht. Umgehend übermittelt die Zentrale die Meldung an die Beobachter vor Ort.
An diesem Abend ist es besonders dunkel. Auf Grund der Lunation (Neumond) und einer massiven Wolkendecke, aus der es immer wieder leicht nieselt, herrscht gänzlich Nacht.
Gegen 19:00 Uhr melden die Detektivsachbearbeiter über Funk, dass der in der Feierabendzeit bei einem der Mitarbeiter registrierte, sehr auffällige, PKW BMW M3 CSL mit französischem KfZ-Kennzeichen in den Beobachtungsbereich gefahren wird.
Mit sonorem Dröhnen des 343 PS starken S54-Motors, wird der Sportwagen um das Firmengelände gefahren. Im Fahrzeug wird nur eine männliche Person erkannt.
In einer Nebenstraße des Gewerbegebietes Im Rotfeld bringt der Fahrer den Wagen zu halt. Er steigt aus. Noch immer, wie beim Verlassen des Betriebsareals beobachtet, trägt er Arbeitskleidung. Schnellen Schrittes gelangt der Mitarbeiter des Auftraggeberunternehmens zum Zielobjekt. Am Zugangstor zum Areal schaut visiert er aufmerksam die Halbsphäre hinter ihm, um danach den Blick über das Betriebsgelände schweifen zu lassen. Die Ermittler in seiner unmittelbaren Nähe nimmt er nicht wahr. Wie immer funktioniert die Tarnung der TUDOR-Sachbearbeiter perfekt, nach alt bewährtem Prinzip.
Unter Zuhilfenahme von Nightshot, Restlichtverstärkern und Infrarotstrahlern, fertigen die Observateure Foto- und Videoaufnahmen des Geschehens.
Der Fahrer des BMW M3 mit Lothringer Kennzeichen, inzwischen als der Mitarbeiter Emilian Runné identifiziert, öffnet ohne Probleme mit einem Schlüssel den Zugang zum Betriebshof. Sofort verschließt er von Innen sorgfältig wieder das Tor. Auf dem Gelände kommt er nochmals kurz zu halt, dreht sich umschauend einmal 360° um die eigene Achse und als er sich sicher und unbeobachtet fühlt, geht Monsieur Runné zielsicher zum Zugang der Fertigungshalle. Mit einem seiner Schlüssel bedient Emilian R. die Alarmanlage an der Gebäudewand. Ein Dreh und sie ist ausgeschaltet. Mit dem nächsten Schlüssel gelangt die Zielperson in das Gewerbeobjekt. Hinter sich verschließt er die Tür von Innen.
Ohne die Hauptbeleuchtung zu betätigen, erreicht Emilian Runné eine numerisch gesteuerte Werkzeugmaschine (CNC).
Sogleich beginnt er, nach Programmierung des Industrieautomaten, mit der Fertigung von Frästeilen aus massiven Aluminiumrohlingen. Die Bauteile selbst sind kompliziert. Mehrere Arbeitsschritte, mit Neujustierung und Programmierung sind erforderlich. Ohne jahrelange Berufserfahrung, ist dies sicher nicht denkbar.
Von Außen ist nicht zu bemerken, dass in der Halle produziert wird. Emilian R. hält sich geschickt vom Fenster fern. Auch Geräusche werden bis über die Objektumzäunung nicht übertragen.
Stunden vergehen. Gegen 23:00 Uhr wechselt Zielperson den Arbeitsplatz. Er verbringt nach und nach die ca. 100mm x 100mm großen bearbeiteten Teile zu einer CNC Schnellradial Bohrmaschine, um sie dort weiter zu vervollständigen.
00:00 Uhr
Die Zentrale Frankfurt informiert die Auftraggebende Geschäftsleitung. In Absprache mit Detektiv TUDOR wird entschieden, nicht einzugreifen. Interessant wird, wo der Mitarbeiter Emilian Runné die Teile absetzt, die durch die komplizierte Bearbeitung nun einen hohen Wert besitzen. Zudem war dem Unternehmen bis dato nicht bekannt, dass Material wie Ergal-Aluminiumrohlinge und V4A Chrom-Nickel-Stahl in dieser Größenordnung entwendet wird. Irgendwie muss es Monsieur Runné gelungen sein, diese Verluste unter Spanmaterial oder Ausschuss zu verbuchen.
Als um 2:33 Uhr die Maschinen im Zielobjekt still stehen, hat Emilian R. eine beachtliche Stückzahl produziert. Mit zwei großen Sportreisetaschen beladen, verlässt er nach weiteren zehn Minuten die Halle. Aufmerksam inspiziert Zielperson das Werksgelände. Als er die Luft für rein hält, schleicht Herr Runné über das Areal. Im Gewerbegebiet Im Rotfeld ist es zu dieser Stunde „muxmäuschenstill“. Am Ausgang stellt der geschäftige Mitarbeiter die Taschen ab und geht nochmals zurück zum Produktionsstandort. Nach einigen Minuten schleppt er noch einmal zwei gefüllte Taschen aus dem Beobachtungsobjekt. Die Tür verschließt Zielperson sorgsam, um schließlich die Alarmanlage wieder scharf zu machen. Am Ausgangstor verbringt er die Taschen nach außerhalb des Betriebsgeländes, schließt das Tor ab, um mit zwei der Bags zu seinem Auto zu gelangen. Er öffnet den Kofferraum des BMW Coupé. Beide Taschen legt er im Fahrzeug ab, steigt ein, startet und fährt zurück zur seinem Arbeitsplatz. Am Einfahrtstor kommt er mit laufenden Motor zu halt, steigt aus, der Kofferraum öffnet sich und geschwind landen die zwei restlichen, dort abgelegten Taschen im nun vollends gefüllten Kofferraum des Zweitürers.
Minutiös haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Detektei TUDOR den gesamten Ablauf in Berichtform sowie mit Foto- und Videoaufnahmen dokumentiert, ohne das Emilian Runné auch nur einen Hauch der Ahnung hätte, Gegenstand einer »Observation zu sein.
Sofort setzt Monsieur Runné mit dem Ergebnis seiner nächtlichen „Privatüberstunden“ die Fahrt fort. Mit mehreren Spezialfahrzeugen folgen die Detektive ihrer Zielperson.
Das Gewerbegebiet verlassend geht die Tour auf die Autobahn A620 und im weiteren Fahrtverlauf mit hoher Geschwindigkeit Saarbrücken-Güdingen BAB6 zur Grenze nach Frankreich, französische Autobahn A320 Stiring-Wendel, Freyming-Merlebach (Arrondissement Forbach), Autoroute A4, Metz, Verdun, Châlons-en-Champagne nach Reims (Départements Marne in der Région Champagne-Ardenne).
Nach ca. 250 Kilometer erreicht Runné um 5:39 Uhr in Reims die Rue Léon Patoux im Pôle Technologique Henri Farman.
Für die Detektiv-Sachbearbeiter der Detektei TUDOR hat die Verfolgung alles abverlangt, um nicht bemerkt zu werden und trotzdem das Zielfahrzeug ununterbrochen zu halten.
An einem mittelgroßen Industriekomplex bringt er den BMW zu halt. Zeitgleich fährt in die Zufahrt des französischen Zerspanungsproduzenten ein Renault Vel Satis 3,5. Emilian Runné steigt aus seinem PKW, um den Fahrer des Renault zu begrüßen. Den Detektiven gelingt es aus ihrer Beobachtungsposition, heraus den Konversationsverlauf mit zu hören:
(übersetzt)
- „Ingénieur Marfaux(*), ich grüße sie herzlich zu dieser frühen Stunde. Wie geht es der Gemahlin? Mein lieber Monsieur Emilian, wie immer pünktlich und zuverlässig auf die Minute. Sie haben sich schon einige deutsche Tugenden angeeignet, wie ich zufrieden feststelle. Haben sie die Ware dabei?“.
Hände schüttelnd überreicht Marfaux an Runné einen gefüllten Briefumschlag
- „Wie vereinbart, 3000,- € in bar, wenn sie nachzählen möchten!“.
Nach Rücksprache mit der Einsatzleitung in »Frankfurt am Main, sind die Detektiv-Sachbearbeiter angewiesen, Herrn Emilian Runné weiter zu folgen.
Zielperson nimmt den Weg in südliche Richtung auf die A4 vorbei an Mourmelon-le-Grand, Épernay, Châlons-en-Champagne, Vitry-le-François geht es nach Saint-Dizier (Arrondissements Saint-Dizier im Westen des Départements Haute-Marne / Region Champagne-Ardenne).
110 Kilometer weiter, um 7:30 Uhr hält Emilian Runné an einem Anwesen in Saint-Dizier. Wie die Detektive der Detektei TUDOR auch, sind Monsieur Runné die Strapazen der vergangenen 24 Stunden ins Gesicht geschrieben.
Er stellt den BMW im Innenhof eines Zweifamilienhauskomplexes ab. Im selben Moment gelangt aus dem Anwesen kommend eine weibliche Person in den Beobachtungsbereich der Detektivsachbearbeiter. Sie ist ca. Anfang zwanzig Jahre alt, blondes, leicht gewelltes rücken-langes Haar, schlank mit sehr attraktiver Erscheinung. In der Landessprache begrüßt sie die Zielperson
- „Emilian, du siehst ja todmüde aus. Komm rein, frühstücke und dann leg dich schlafen!“.
- „Wenn ich mich heute erholt habe, machen wir einen Ausflug nach Troyes (Département Aube) zu meinem Onkel. Am nächsten Freitag-Samstag arbeite ich wieder. Somit kann ich morgens zu dir kommen und wir haben den Rest des Wochenendes für uns!“.
Montag
Mit umfassendem Beweisen, in Form von Beobachtungsberichten, Fotomaterial und Videos, fahren Ermittler der Privatdetektei TUDOR zum Treff mit der Auftraggeberfirma nach Blieskastel (Saarpfalz-Kreis, Kreisstadt Homburg/Saarland) ins Hämmerles Restaurant. Im extra für den Gesprächskreis reservierten Teil des Hauses, im Restaurant Barrique, findet das interne Meeting statt.
Die Auftraggeber und der anwesende Rechtsanwalt des Saarbrücker Unternehmens, zeigen sich von der Arbeit der Detektei TUDOR tief beeindruckt.
- „An diesen, vor Gericht verwertbaren Beweisen, nebst ihren Zeugenaussagen, gibt es nichts zu rütteln! Interessant ist nur, woher Runné die Schlüssel für das Betriebsgelände, die Alarmanlage und die Gebäude hat.“ resümiert der Fachanwalt.
In Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden, wird die Falle am kommenden Wochenende zuschnappen. Emilian R.’s vorläufige Festnahme auf frischer Tat (nach § 127 Abs. 1 StPO Befugnis zur vorläufigen Festnahme) ist das Beobachtungsziel.
Den besagten Freitag
Mit komplett gewechselten Einsatzfahrzeugen, postieren sich die Detektivsachbearbeiter der Firma Detektiv TUDOR aus Frankfurt am Main, am Zielobjekt Gewerbegebiet Im Rotfeld in Saarbrücken.
Der Ablauf ähnelt dem der letzten Woche. Gegen 16:00 Uhr verlassen die Produktionsfacharbeiter das Betriebsgelände.
16:07 Uhr
Wird Monsieur Emilian Runné aufgenommen. Er wird sofort observiert. An gleicher Position wie am letzten Freitag, hat Zielperson seinen BMW geparkt. Er platziert sich hinter dem Steuer des Wagens, um, gefolgt von TUDOR-Detektiven, aus dem Industriegebiet zu fahren. Über die Bundesstraße B406, Brebach-Fechingen, Bübingen, Kleinblittersdorf, B51, Auersmacher geht es über die offene Grenze Deutschland - Frankreich nach Sarreguemines (Saargemünd). Gegen 16:30 Uhr parkt Runné den auffälligen Wagen im Zentrum der 706 erstmals als Gaimundas erwähnten Stadt in Elsaß-Lothringen. In einem Bistro platziert sich der Facharbeiter, heute bekleidet mit hellem Hemd und Jeanshose. Zwei Ermittler der Detektei TUDOR nehmen in Nähe der Zielperson einen kleinen Tisch.
Emilian R. bestellt ein Café au lait bei der adretten Bedienung, um sogleich ein Telefonat auf Französisch zu tätigen
(übersetzt)
- „Ingénieur Marfaux, ich bin am Apparat, Emilian Runné. Wie geht es ihnen und ihrer Familie? Waren die Teile in Ordnung? Das ist schön zu hören. Die Konstruktionsunterlagen für die neuen Stücke aus Messing sind bei mir als E-Mail eingegangen. Heute Nacht werde ich sie in gewohnter Qualität fertigen und samstags morgens bei ihnen in Reims anliefern. Zu ihrem Abnehmer nach Toulouse (Chef-lieu: Midi-Pyrénées, Préfecture: Haute-Garonne) müssen sie die Stücke allerdings allein transportieren, dass ist für mich einfach zu weit!“.
17:02 Uhr
Verläßt Runné das französische Café. Im Außenbereich wird er von dort positionierten Mitarbeitern der Detektei TUDOR weiter beobachtet. Zielperson fährt mit seinem Wagen zurück in das Saarland. Auf einem Parkplatz am Stadtrand von Saarbrücken kommt er zu halt, stellt die Rücklehne nach hinten, um zu schlafen.
Zwanzig Minuten vor acht Uhr abends beendet Emilian R. seine Ruhephase im Auto. Er startet den BMW und fährt auf direktem Weg in das Gewerbegebiet Im Rotfeld. Zehn Minuten später meldet der hier stationierte Observationsbus,
dass R. eine Kontrollrunde um das Firmenareal dreht. Auf dem Betriebsgelände herrscht völlige Ruhe. Wie gewohnt, haben zu dieser Stunde alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Areal längst verlassen. Die Alarmanlage ist scharf. Außer Sichtweite des Zielobjekts parkt er den BMW in einer Nebenstraße des Industriegebiet in Saarbrücken.Nach bereits beobachteten Schema, verschafft sich die Zielperson elegant Zutritt mittels Schlüssel zum Gelände. Er deaktiviert die Überwachungsanlage, um dann die CNC-Halle zu betreten. Nachdem Runné in seine Arbeitsschutzkleidung geschlüpft ist, beginnt er mit der Bearbeitung von Messingblöcken der Sorte CuZn37. In aufwendigen Arbeitsgängen entstehen aus den Rohlingen, die R. wohl nach und nach von seinem Arbeitgeber beiseite geschafft hat, komplizierte kubische Frästeile.
22:22 Uhr
Der Kleinwagen einer Sicherheitsfirma im Saarland, für Objektschutz sowie Wach- und Schließaufgaben, mit der Aufschrift ~Alarmeinsatz~ auf der Heckscheibe, fährt am Zielobjekt vorbei. Dem Wachmann fällt nichts auf. Ohne Stopp entfernt er sich aus dem relevanten Bereich, um die Kontrollfahrt durch das Gewerbegebiet fortzusetzen.
Monsieur Runné hatte das Fahrzeug sehr wohl registriert und sich geschickt abgeduckt, um im Notlicht der Werkhalle nicht erkannt zu werden.
Kurz vor Mitternacht stellt die Zielperson die CNC-Maschinen ab. Er verstaut die bearbeiteten Kuben in einer großen Sportreisetasche, genau wie beim letzten Mal beobachtet. In den hinteren Räumlichkeiten des Gebäudekomplexes gelangt er an seinen Spind, wechselt von Arbeits- auf Zivilkleidung, um die Tasche aus der Fräshalle in den Außenbereich zu verbringen.
Telefonisch sind die zuständigen Ordnungsbehörden von der Wirtschaftsdetektei bereits informiert, dass in Kürze mit einer vorläufigen Festnahme der Zielperson zu rechnen ist.
Um 00:09 Uhr bricht die Wolkendecke auf. Neumond taucht die Nacht in diffuses Licht.
- „Gut für die Restlichtverstärker!“ denken sich die Wirtschaftsdetektive vor Ort.
Als Zielperson dabei ist das Werktor abzuschließen, die mit Material seines Arbeitgebers schwarz produzierten Teile, sind von ihm bereits außerhalb der Arealumzäunung abgestellt, tätigen die Detektivsachbearbeiter den Zugriff. Zwei Einsatzwagen der Detektei TUDOR fahren vor. Die aufgeblendeten Scheinwerfer strahlen Runné direkt an
- „Monsieur Emilian Runné, sie sind vorläufig festgenommen, bitte treten sie an das Fahrzeug und übergeben sie uns die Schlüssel!“.
- „Meine Herren, ich bin kein Einbrecher. Die Schlüssel habe ich nachgemacht. Das ist für mich überhaupt kein Problem. Ich... ich arbeite hier, brau... brauche Geld. Wir wollten nächste Woche an die Côte d'Azur, mei... meine Freundin und ich. Ru... Rundreise, Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, Départements Bouches-du-Rhône, Var und Alpes-Maritimes, Marseille, Saint-Tropez, Antibes, Cannes, Nizza (Nice), Monaco und Menton.!“.
- „Sie müssen sich zu dem Sachverhalt nicht äußern. Nach deutschem Recht, wird ihnen nicht zugemutet, sich selbst zu belasten. Die Kollegen der Behörden werden in Kürze hier eintreffen. Um eine Anzeige werden sie wohl aber nicht herum kommen!“ beruhigen die psychologisch geschulten Detektivsachbearbeiter der Detektei TUDOR die Zielperson.
Für den Straftatbestand sicher von Vorteil für ihn.
Seine „Freundin“ aus Saint-Dizier will, seit sie von den Schwierigkeiten des Emilian R. hörte, nichts mehr von ihm wissen. Sie hat einen neuen „Reiseveranstalter“ gefunden, der sie an den Wochenenden nach Paris, Avignon, Montpellier, Toulon oder Bordeaux entführt.
Für diese Abenteuer wird Frauenschwarm Emilian in naher Zukunft wenig Gelegenheit finden, denn es werden noch erhebliche Schadenersatzkosten, im Rahmen einer Zivilklage, auf ihn zukommen.

Anmerkung:
(*)Namen der Beteiligten sowie Orts- und einige Detailangaben wurden aus Diskretionsgründen geändert. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Auftraggeber.
(*)Namen der Beteiligten sowie Orts- und einige Detailangaben wurden aus Diskretionsgründen geändert. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Auftraggeber.

